... 1929

Aus der früheren "Kommission für Beschäftigung Anormaler" der Gemeinnützigen Gesellschaft der Stadt St. Gallen ging im September 1929 der Verein St. Galler Werkstätten für Mindererwerbsfähige hervor.

Der Verein erwarb eine ehemalige Stickerei an der Lehnstrasse 45 in St. Gallen-Bruggen. Dank enger Zusammenarbeit mit der Basler Webstube gelang es am 1. November 1929 den Betrieb mit, wie man damals sagte, 13 "Knaben" aufzunehmen.

Als Filialbetrieb der Basler Webstube wurden vorerst Arbeitsplätze für 10 bis 13 Handweber eingerichtet. Diese Zusammenarbeit dauerte bis weit nach den Kriegsjahren.An die Webstube wurden in den ersten 10 Jahren Schritt für Schritt eine Internatsabteilung mit 10 bis 14 Plätzen, eine Holzbearbeitungsabteilung, eine Mattenflechterei, eine Abteilung zur "Verlesung" von Heilkräutern und ein grosser Heimgarten angegliedert.

Man wollte der Blindenarbeit keine Konkurrenz machen und lediglich Produkte herstellen, aber den Vertrieb anderen überlassen. Dass solche Werkstätten einem grossen Bedürfnis entsprachen, ersieht man aus der Entwicklung der ersten 10 Jahre. Bereits 1932 hatte sich die Zahl der Beschäftigten auf 24 erhöht und vor dem 2. Weltkrieg waren es bereits 40.

... 1939

Die Erträge aus den Warenverkäufen betrugen 1939 Fr. 31'357.24, das Kostgeld der "Zöglinge" brachte Fr. 9'882.30 ein. Damals waren die Finanzen ein sehr grosses Problem, denn die IV (Invalidenversicherung) existierte noch nicht. Die anfallenden Defizite (1939 mehr als Fr. 14'000.-) mussten mit Spendenaktionen gedeckt werden.

Auch Vereinsmitglieder wurden aktiv gesucht; der Jahresbeitrag betrug Fr. 1.- für Privatpersonen und Fr. 20.- für Vereine und Kollektivmitglieder.

Damals deckten die Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen 11,5 % der Gesamtausgaben. Für den Kauf von Maschinen wurden Bettelbriefe in die halbe Schweiz verschickt. Es existieren noch Unterlagen von Sammelaktionen bei denen in jeder grösseren Gemeinde des Kantons eine Vertrauensperson eine Art jährlichen Beitrag einsammelte und in einem sog. "Milchbüchlein" abrechnete.

... 1939-1964

Während der Kriegsjahre und bis Anfang der 50er Jahre trat eine Stagnation ein. 1949, 20 Jahre nach der Gründung, betrugen die Erträge aus den Warenverkäufen Fr. 138'940.-, das Kostgeld der "Zöglinge" brachte Fr. 17'909.- ein. Das Defizit von rund 14'000.- konnte mit Spenden, Mitgliederbeiträgen und Subventionen gedeckt werden.

In den nächsten 15 Jahren wurde der Name der Institution mehrmals geändert. Der Jahresbericht 1950 trug zum ersten Mal die Bezeichnung "Anorma, Verein St. Galler Werkstätten für Teilerwerbsfähige". Im Jahresbericht 1952 erschien erstmals das Zwei-Brücken-Signet mit der Bezeichnung "ANORMA St.Gall, Verein St. Galler Werkstätten für Teilerwerbsfähige St. Gallen-Bruggen".

In den Jahren 1960 bis 1964 kam der Name "Anorma, Werkstätten für Teilerwerbsfähige", in verschiedenen Formen, aber ohne Signet zur Anwendung.

... 1965

1965 wurde der Name Anorma, "schweren Herzens", wie es im Jahesbericht 1964 heisst, durch den Namen "INVALIDA Lehr- und Arbeitswerkstätte für Behinderte", ersetzt. Im Jahresbericht 1964 sind die Gründe für die Namensänderung nachzulesen: "Ausschluss jeder diskriminierend erscheinenden Ausstrahlung mit Rücksicht auf Zöglinge und Lehrpersonal, Ausdruck der Zusammenarbeit mit der eidg. Invalidenversicherung (IV), Anpassung an den erweiterten Aufgabenkreis durch die Schaffung einer Abklärungs- und Lehrwerkstätte für die Eingliederung jugendlicher Invalider."

... 1970-1979

In diesen Jahren wurden die Jahresberichte immer dünner, aber sie enthielten jeweils einen Spruch, wie z.B: "Gibst du einem Mann einen Fisch, wird er einmal satt. Lehrst du den Mann fischen, kann er sich sein Leben lang selbst ernähren." "Überall auf der Welt gibt es Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Vergessen wir doch auch jene nicht, in unserer allernächsten Nähe!" "Die beste Hilfe für den Menschen ist es, wenn man ihn lehrt sich selber zu helfen." 

... 1975

1975 konnte ein zuvor mehrmals angepasstes Vorprojekt zu einem Neubau auf dem Areal Sömmerli an die Stadt und den Kanton eingegeben werden.

Geschichte 1975

... 1977

Eingabe des definitiven Bauprojektes und 1979 Erhalt der grundsätzlichen Bewilligung und der Subventionszusage von 50% der Baukosten. Am 1. Oktober 1979 wurde mit den Bauarbeiten begonnen.

... 1980-1989

Mitte Juni 1981 stand der Rohbau des Werkstattgebäudes und am 23.12.1981 konnte die Fertigstellung des Rohbaus des Wohnhauses gefeiert werden. Im August 1982 wurden, nach einer Bauzeit von 33 Monaten, die Werkstätten und die Verwaltung in Betrieb genommen; im April 1983 erfolgte die Inbetriebnahme des Wohnhauses, nach 42 Monaten Bauzeit.Die gesamten Investitionskosten beliefen sich auf 21,064 Mio. Franken.

Die Anzahl MitarbeiterInnen mit Behinderungen erhöhte sich 1982/1983 von 68 auf 91. Die Belegung des Wohnhauses brauchte länger Zeit. So waren 1983 erst 27 der 65 Plätze besetzt. Mit der Inbetriebnahme des Neubaus übernahm Herr Willy Leuch die Geschäftsführung und führte die INVALIDA in den kommenden 17 Jahren, bis zu seiner Pensionierung Ende Februar 1999, in eine erfolgreiche Zukunft.

... 1990-1999

2003-WH-W1

Die INVALIDA wuchs weiter und baute ihre Dienstleistungen aus. Der Gesamtumsatz verdoppelte sich in den Jahren 1977 bis 1999 auf über 10 Mio. Franken und die Anzahl Betreute stieg auf mehr als 170. Mitte der 90er Jahre wurden die Produktionsräume an der Zwyssigstrasse bereits wieder zu eng. Weitere Räume konnten 1994 von der Firma forma vitrum AG an der St. Josefenstrasse 2, 1995 und 1998 an der St. Josefenstrasse 20, zugemietet werden. Insgesamt beträgt die zugemietete Arbeitsfläche Ende 1999 rund 1700 m2.

... 2002

Rosenfeld 14

An der ausserordentlichen Hauptversammlung vom 23. September 2002 wird einstimmig beschlossen, der Forma Vitrum AG die Liegenschaft an der Rosenfeldstrasse 14 in St.Gallen abzukaufen.

Es handelt sich dabei um ein gut erhaltenes 5-Familienhaus. In behindertengerechter Entfernung zum Wohnhaus an der Zwyssigstrasse, können nach kleineren Renovationsarbeiten vier Wohnungen für mehrere Personen und ein Studio für ein bis zwei Bewohner realisiert und bezogen werden. Die Betreuung durch den Bereich VALIDA-Wohnen erfolgt im Rahmen des erweiterten Konzeptes "Aussenwohngruppen" (abgekürzt AWG).

... 2003

Seit längerer Zeit löst das Wort "invalid" in zunehmend grösser werdenden Kreisen negative Gefühle aus. So war bereits in der Ausgabe vom 6. November 2001 des St.Galler Tagblatts unter dem Titel "invalid" soll nicht mehr im Gesetz stehen folgendes zu lesen: "Der Bundesrat soll prüfen, ob und wie der diskriminierende Begriff "invalid" aus der Gesetzgebung eliminiert werden kann."

In der Folge hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) vom Bundesrat den Auftrag erhalten, nach alternativen Benennungen für die Invalidenversicherung zu suchen. Des weiteren stellen wir in und um unsere Institution ein zunehmendes Unbehagen in Zusammenhang mit der Definition "INVALIDA - invalid" fest.

An der Vereins-Hauptversammlung vom 30. Juni 2003 haben die anwesenden Vereinsmitglieder ohne Gegenstimme beschlossen, unseren bisherigen Institutionsnamen auf "VALIDA, Lehr- und Arbeitswerkstätte für Menschen mit Behinderungen" zu ändern. Im August 2003 wurde der neue Firmenname VALIDA im Handelregister eingetragen und somit veröffentlicht.

... 2004

Rosenfeld 12

An der ausserordentlichen Hauptversammlung vom 11. Oktober 2004 wird einstimmig beschlossen, von einer Erbengemeinschaft, die (Nachbar-) Liegenschaft an der Rosenfeldstrasse 12 zu kaufen. Nach umfangreichen Renovations- und Sanierungsarbeiten konnten in diesem Haus drei Wohnungen für mehrere Personen und ein Studio für ein bis zwei Personen eingerichtet und Mitte 2005 bezogen werden. Die Betreuung durch den Bereich VALIDA-Wohnen erfolgt ebenfalls im Rahmen des Konzeptes  "Aussenwohngruppen" (abgekürzt: AWG).

Im Bild die beiden Häuser Rosenfeldstr. 12 (vorne) und 14.

... 2006

…eine neue Liegenschaft / VALIDA Werk2 an der Lehnstrasse 88 in St.Gallen:

Geschichte 2006

Auf Ende Dezember 2006 wurde das bestehende Mietverhältnis mit der forma vitrum AG (Schott-Glas) an der St.Josefenstrasse 20 in St.Gallen aufgrund von Eigenbedarf der Räume  seitens der Vermieterin aufgelöst. Die VALIDA unterhielt darin Arbeitsplätze für rund 100 Personen aus dem Bereich Industrie-Handarbeiten.

Es galt nun eine passende Anschlusslösung zu finden. Diese konnte mit einer Liegenschaft auf dem Areal der vormaligen Möbel Müller AG, an der Lehnstrasse 88, gefunden werden. Der straffe Marschplan sah vor, bereits Ende Dezember 2006 nach den Umbauten, in die neuen Gebäude an der Lehnstrasse 88 einziehen zu können. Dank der Unterstützung von Bund und Kanton konnte ein wesentlicher Teil der Finanzierung (CHF 5,5 Mio) von insgesamt CHF 12,3 Mio für Kauf, Umbau und Renovation refinanziert werden. Der Restbetrag von CHF 6,8 Mio. finanzierte die VALIDA selbst.

Mitte Dezember 2006 konnte die erste Gruppe der Industrie-Handarbeiten die neuen Arbeitsplätze an der Lehnstrasse im obersten Geschoss beziehen und einweihen. Im Vorfeld wurden in den anderen Produktions- und Arbeitsräumen im Hinblick auf den Umzug die nötigen Vorarbeiten getätigt. Ende Dezember folgte der restliche Teil der Industrie-Handarbeiten.

Seit dem 1. Januar 2007 hat der Bereich Industrie-Handarbeiten (140 Arbeitsplätze) seinen Sitz offiziell an der Lehnstrasse 88 in St.Gallen. Wir nennen den Betrieb "VALIDA Werk2". 

Der Hauptsitz der VALIDA - mit dem Werk1 und dem Wohnhaus - bleibt an der Zwyssigstrasse 28.

... 2007

Metallb

Nach dem Umzug der bisher im Werk1 untergebrachten Arbeits-gruppen des Bereichs Industrie-Handarbeiten ins Werk2 wurde zwischen Januar und April 2007 im ersten Untergeschoss (Werk1) umgebaut.

Der Bereich Metall- und Kunststoffbearbeitung ist um 140 m2 auf rund 450 m2 vergrössert und modernisiert worden. Zusammen mit dem neu gelieferten Mikron VCE 800 Bearbeitungszenter und dem EMCO TURN E45 sind total fünf CNC-Maschinen im Einsatz.

Verlaufsladen 2

Das Atelier, inkl. Tagesstätte (zuvor in gemieteten Räumen an der St.Josefenstrasse 20) konnte ebenfalls im Werk1 - auf rund 200 m2 - einquartiert werden.

Im Frühjahr 2007 wurde zusätzlich der Verkaufsladen renoviert und mit eigenen modularen Holzmöbeln ausgerüstet. Das Atelier-Team betreut den Laden. Seither sind die Öffnungszeiten auf 4 Tage pro Woche erhöht worden. Eine kleine Gruppe aus dem Atelier arbeitet jeweils im Laden. Kunden und Mitarbeitende begegnen sich und können in Beziehung zueinander treten (siehe Produktion und Dienstleistung / Atelier-Verkaufsladen).

... 2008-2010

Nachdem in der kantonalen Betriebsbewilligung vom 24. Februar 2005 wörtlich ausgeführt worden ist: „Der Wohnhausbau stammt aus den Achtzigerjahren. Dieser entspricht den Anforderungen an die heutigen Betreuungsstandards nicht mehr“, hat die VALIDA dem Kanton am 25. Mai 2007 ein Projekt zur Erweiterung und Sanierung des Wohnhauses eingereicht. Ziel dieses Projekts war es, den kantonalen Vorgaben gerecht zu werden und zukünftig ein familiäres Wohnen möglich zu machen.

 Plan 2008 Anbau Studios Wohnhaus

Das Projekt, welches insgesamt Investitionskosten von über 11,1 Mio. Fr. verursachte, umfasste den Anbau von 12 Wohnstudios mit eigenen Nasszellen (Siehe Planskizze), den Einbau von 6 Etagenküchen, die Sanierung der Zentralküche, die Realisierung der Massnahmen betreffend Erdbeben- sicherheit, die Sanierung aller sanitären Anlagen, die Renovation aller Bewohnerzimmer (davon wurden 6 in Wohnstudios umgewandelt) und diverse Energiesparmassnahmen.

BohrlochWohnhaus AnbauWohnhaus Anbau 2

Nach einer längeren Bauphase in mehreren Etappen (Baubeginn: 15. Februar 2008) konnten die neuen Studios im Wohnhausanbau im Herbst 2009 bezogen werden.

Wohnhaus mit Anbau 2

Die Sanierung der gut 30 Nasszellen und sanitären Anlagen sowie der Bewohnerzimmer dauerte bis im Frühjahr 2010. Seither steht unseren Bewohnerinnen und Bewohnern ein vollständig renoviertes Wohnhaus mit 17 Studios und knapp 40 Einzelzimmern zur Verfügung. Damit wird den aktuellen Betreuungs- standards wieder entsprochen.

Bild: Renoviertes Wohnhaus mit Anbau-Nord (links).

... 2011

Auch dieses Jahr sind interessante Projekte "unterwegs". Wir schreiben darüber, sobald auch sie Geschichte sind...

Mehr Informationen: Unter "Dokumentationen" (oben rechts) finden Sie weitere Informationen zur jüngeren Geschichte. Speziell empfehlen wir Ihnen die Hauszeitungen "ViVALIDA" und die VALIDA Geschäftsberichte aber auch die Aktivitäten und Bildergalerie unter Sport und Kultur....

Darin finden Sie viele spannende "Episoden" aus dem lebendigen Alltag unserer Institution... Wir danken Ihnen für Ihr Interesse.

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VALIDA, Zwyssigstrasse 28, Postfach, 9001 St. Gallen, Tel:071/424 01 01 - Fax:071/424 01 10